Jugend debattiert

Seit dem Schuljahr 2009 nimmt das Gymnasium im GHZ an dem Bundeswettbewerb „Jugend debattiert“ teil. 

Grundlage einer Debatte ist eine „Soll ….?“–Frage, die nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann. 
Hier drei Beispiele:

  • Soll in der BRD das Wahlrecht vom Bestehen einer Prüfung in politischer Bildung abhängig gemacht werden?
  • Soll für jeden jungen Erwachsenen ein Soziales Jahr verpflichtend gemacht werden?
  • Sollen die Karnevalsumzüge in den Sommer verlegt werden?


Für die Debattanten stellen sich Fragen etwa folgender Art: 
Mit welchen Maßnahmen sollen diese Veränderungen durchgeführt werden?
Welche Gründe sprechen für das Neue, welche dagegen?
Welche Gründe sind schwerwiegend, welche sind leicht zu entkräften?
Wie kann ich meine Position überzeugend vertreten?
Wie werden die Vertreter der Gegenposition argumentieren?

Bei „Jugend debattiert“ treten im geistigen Wettstreit zwei Vertreter der PRO-Seite gegen zwei Vertreter der KONTRA-Seite an. In einer Debatte gibt es keinen Moderator sondern feste Verfahrensregeln. Eine Debatte besteht aus Eröffnungsrunde, Freier Aussprache und Schlussrunde.
In der Eröffnungsrunde stellt jeder Debattant begründend seine Position vor und hört sich die Argumente der Gegenseite an. Für die Eröffnungsrede hat jeder 2 Minuten Zeit.
In der Freien Aussprache wird die Debatte im freien Wechsel der Beiträge fortgesetzt, wobei die Debattanten selbst darauf achten müssen, dass jeder zu Worte kommt. Während dieser 12 Minuten versucht jede Seite, die eigenen Argumente weiter zu begründen und überzeugend darzulegen und schlagfertig und kritisch auf die Ausführungen der Gegenseite zu reagieren.
In der Schlussrunde hat jeder eine Minute lang Zeit, rückblickend auf den Wettstreit von Für und Wider das hervorzuheben, was er als besonders wichtig bewertet und wie die Debatte ihn in seinen persönlichen Standpunkt bestärkt oder verändert hat.
Ein Zeitwächter mit Glocke überwacht die Einhaltung der vorgegebenen Redezeiten.

Nach der Debatte zieht sich eine Jury zur Beratung zurück. Sie bewertet nicht nur die Leistungen, sondern gibt in der Besprechung auch Tipps und gute Ratschläge.
Die Jury stellt sich einer verantwortungsvollen und schweren Aufgabe, denn sie hat die vier Debattanten in vier Kategorien zu bewerten: 

  • Sachkenntnis: Wie gut, weiß der Redner, worum es geht?
  • Ausdrucksvermögen: Wie gut sagt er, was er meint?
  • Gesprächsfähigkeit: Wie gut geht er auf die anderen ein?
  • Überzeugungskraft: Wie gut begründet er, was er sagt?


Diese ehrenamtliche Aufgabe übernehmen für unsere Schule auch Eltern und ehemalige Leh-rer, die sich dabei großartig bewährt haben. Übereinstimmend bekunden sie, dass ihnen die Ausübung dieses Amtes sehr viel Freude bereitet, weil dieser Wettbewerb so anregend und so spannend ist. 
 
Der gesamte Wettbewerb beginnt auf Schulebene in zwei Altersklassen, einerseits Schüler der Klassen 8 und 9 und andererseits Schüler der Oberstufe. Die beiden Sieger in jeder Altersgruppe treten im Regionalverbund gegen die Sieger benachbarter Schulen an. Nach dieser Qualifikation steigen die Sieger in den Landeswettbewerb auf. Die Landessieger treffen sich auf Bundesebene und ermitteln im Bundesfinale in Anwesenheit des Bundespräsidenten ihren Besten. Ab Regionalebene winken als Preise hervorragende Schulungen unter der Leitung professioneller Trainer.

Dieser von der Hertie-Stiftung ins Leben gerufene Wettbewerb für Schulen – es gibt auch an vielen Universitäten Debattierclubs – wird inzwischen von vielen Kooperationspartnern unterstützt und erfreut sich zunehmend großer Beliebtheit. Bereits im Schuljahr 2009/10 nahmen 90.000 Schülerinnen und Schüler mit 4.000 Lehrkräften an rund 660 Schulen teil.
 
Aber wer wird schon Bundessieger? Wie stehen die Chancen bei so vielen Teilnehmern?

Nicht jeder kann Sieger werden, aber jeder kann dabei gewinnen. Jede Debatte ist aufregend und anregend. Dieser geistige Wettstreit trainiert Konzentration und geistige Flexibilität, er stärkt die kommunikativen Fähigkeiten, er verbessert die Urteilsbildung und gibt mehr Sicherheit im Auftreten bei Prüfungen und Bewerbungen. So kann sich jeder Schüler in seiner Persönlichkeitsbildung weiterentwickeln.
„Jugend debattiert“ fördert

  • die sprachliche Bildung durch Ausbildung in Rede und Gegenrede,
  • die Meinungsbildung durch Auseinandersetzung mit oft auch aktuellen Streitfragen,
  • die Persönlichkeitsbildung durch gegenseitigen Austausch und Perspektivenwechsel,
  • die politische Bildung durch Motivation zu demokratischem Handeln.


Und noch eins. Debattieren macht Spaß – ob als Debattant oder als Zuhörer oder als Juror – und kann auch lustig sein. 
Was meinen Sie: Sollen die Karnevalsumzüge in den Sommer verlegt werden?